«Es gibt Berufe, die gleichzeitig eine Berufung sind», sagt Vera Kaeslin alias Vera Kaa. Ihre eigene Berufung stand für die Sängerin aus dem Muotathal bereits in jungen Jahren fest: Die Musik. Kein Wunder, denn Kaeslin kommt aus einer Familie, in der das Musizieren Tradition hat. Gerne und oft verweist sie auf ihren Urgrossonkel Georg-Anton Langenegger, der seinerzeit mehrere Volksmusik-Tänze komponiert hat, welche sich in der Region noch heute grosser Beliebtheit erfreuen. «Schon als kleines Kind bin ich bei meiner Grossmutter auf dem Schoss gesessen und habe der Hausmusik gelauscht», erinnert sie sich. Auch sie widmete sich zuerst der traditionellen Volksmusik, doch schon bald genügten ihr das Örgeli, der Kontrabass und die Löffel nicht mehr und sie brach auf zu einer musikalischen Entdeckungsreise, deren Ziel sie bis heute nicht erreicht hat. Und das ist auch gut so. «Wenn ich nichts mehr neues ausprobiere und in meine Musik einbaue, bin ich gestorben», sagt Kaeslin, in gewohnt direkter Manier.

 

Zwiti: Es geht nur ums Kombinieren

 

In ihrer Jugend sang sie in einer Punkband, 1981 brachte Vera Kaa ihr erstes Solo-Album «Das macht dich frisch» heraus: Rock auf Deutsch. In den nächsten drei Jahren folgten noch zwei weitere Alben. Dann löste sie ihre Band auf, liess sie den Rock hinter sich und begann Musicals oder Lieder aus der Feder von Bertold Brecht zu singen, spielte Theater. Anschliessend folgte noch ein Rock-Album, nun jedoch mit englischen Texten. Heute ist sie eher im Jazz und Blues zuhause, singt mittlerweile auch schweizerdeutsch. «Mein Urgrossonkel hat einmal gesagt: «In der Musik geht es nur um`s Kombinieren»», sagt sie, «ich finde das einen sehr schönen Satz». Und den Rat Langeneggers, den sie als eine «quere» Persönlichkeit beschreibt, befolgt sie auch, kombiniert gut und gerne einmal Rock mit Jodeleinlagen. «Ich bin freier geworden, kompromissloser denn je», sagt Kaeslin, «in der Musik darf es keine Grenzen geben».

 

Zwiti: An ihren Songs wird nicht geschnippelt

 

Kompromissloser ist sie nicht nur in musikalischer Hinsicht geworden. Plattenverträge schliesst sie keine mehr ab, managt sich selbst. Wenn einer ihrer Songs sechs Minuten und damit zu lange fürs Radio ist, wird nicht herumgeschnippelt, sondern er wird ganz gespielt oder gar nicht. Darauf besteht sie. «Ich muss mich zum Glück nicht mehr so vermarkten wie früher», sagt sie. Keine Stundenlangen Reisen zu Interviews, kein Auftrittsmarathon mehr, wie zu der Zeit, in der sie in Deutschland Musik gemacht hat. «Ich kann mich jetzt voll und ganz der Musik widmen».

 

Das verdankt Kaeslin einer treuen Fangemeinde, und natürlich ihrer erstaunlichen Produktivität. Elf Alben hat sie bereits produziert, mit dem zwölften ist sie seit einem Jahr auf Tour – bevor es überhaupt aufgenommen worden ist. «Längi Zyt» heisst es. Eine Hommage an ihren Urgrossonkel, den bekannten Muotathaler Tanzkomponisten. «Wir haben die Lieder genau so oft gespielt, dass sie uns nicht verleiden», sagt Vera Kaa. Vergangenes Wochenende war der erste Studiotag, die Tour geht natürlich weiter.